Kranhaus als Beispiel für ein nachhaltiges Gebäude
Foto: Axel Boesten
Bau //

Nachhaltigkeitszertifikate in der Praxis

Es gibt heutzutage viele Möglichkeiten, Immobilien in nachhaltiger Bauweise zu errichten. So definiert die Norm ISO 15392:2008 allgemeine Prinzipien für nachhaltiges Planen und Bauen. Doch auch Zertifizierungssysteme wie DGNB, BREEAM® oder LEED® schaffen mithilfe von Kriterienkatalogen eine Grundlage für Planer und Bauherren.

Das Interesse an nachhaltigen Gebäuden ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut dem „Smart Market Report“ von McGraw-Hill Construction hat sich die Anzahl der Gebäude, bei denen die Aspekte des nachhaltigen Planens und Bauens zu mehr als 60 Prozent vorhanden waren, zwischen 2012 und 2015 fast verdoppelt. Die Gründe für eine Zertifizierung sind vielfältig und können neben Marketingmaßnahmen und Kundennachfragen auch geringere Betriebskosten, höhere erzielbare Immobilienwerte und umweltpolitische Regularien sein.

Der erste Schritt zum Nachhaltigkeitszertifikat ist die Beratung durch einen Auditor. Als Sachverständiger unterstützt er Bauherren und Eigentümer bei der Auswahl des passenden Zertifikats. Zudem betreut das Bauprojekt durchgängig von der Planungs- bis zur Ausführungsphase. Dabei sammelt beziehungsweise erstellt er alle erforderlichen Nachweise, leitet sie an die Zertifizierungsstelle weiter und dokumentiert den gesamten Prozess.

Für eine erfolgreiche Zertifizierung ist zu beachten, dass sich der Begriff der Nachhaltigkeit heutzutage auf drei große Kategorien bezieht: die ökologische, die ökonomische und die soziokulturelle. Entsprechend umfangreich ist der Katalog von Kriterien, die zu berücksichtigen sind. So werden nicht nur die Bausubstanz oder die Energieeffizienz bewertet, sondern auch die Bedürfnisse der späteren Nutzer einbezogen. Das ist beispielsweise der akustische oder thermische Komfort in den Innenräumen.

Bauherren und Eigentümer befürchten oft hohe Kosten für eine Zertifizierung. Doch gerade in einem frühen Stadium können bei der Bauplanung entsprechende Maßnahmen und Änderungen vergleichsweise kostengünstig umgesetzt werden und dazu beitragen, große Kostenstellen im späteren Gebäudebetrieb aufzudecken und zu minimieren. Das ist zudem leichter umsetzbar als eine spätere Nachzurüstung der Bausubstanz. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber, Planungsbüro und Auditor ist dabei unabdingbar. Am Ende des gemeinsamen Projekts steht dann die Auszeichnung des Gebäudes. Abhängig davon, wie umfassend die Kriterien und Qualitäten berücksichtigt sind, vergibt zum Beispiel das DGNB System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen Zertifikate in den Stufen Bronze, Silber, Gold und Platin.

Der Zertifizierungsprozess fördert ein nachhaltiges Bewusstsein für die Planung und den Bau einer Immobilie. Das kommt nicht nur dem Eigentümer und Betreiber zugute, sondern auch den Mietern und Nutzern. Denn eine angenehme Arbeitsumgebung trägt dazu bei, die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern und so beispielsweise die Produktivität eines Unternehmens zu verbessern.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markierte *